Türkischem Sänger drohen drei Jahre Haft wegen Musikvideo

Türkische Nationalflagge
© Anna Ross/dpa

Anklageschrift vorgelegt

Istanbul (dpa) - Der bekannte türkische Sänger mit dem Künstlernamen Mabel Matiz ist erneut wegen des Vorwurfs der «Obszönität» angeklagt worden. Wie die private Nachrichtenagentur DHA berichtete, drohen dem Musiker, der sich offen für die Rechte homosexueller Menschen einsetzt, zwischen sechs Monaten und drei Jahren Haft. 

Staatsanwaltschaft: «Grenzen der Moral überschritten»

Vorgeworfen werden dem Musiker die «Veröffentlichung oder Vermittlung der Veröffentlichung obszöner Bilder, Texte oder Äußerungen über Presse und Rundfunk». In der Anklageschrift der Staatsanwaltschaft Istanbul geht es laut DHA um das Musikvideo zu dem Lied «Ha Leylim», in dem unter anderem zwei Männer miteinander tanzen. Der Liedtext und die visuellen Darstellungen der tanzenden Männer, die wiederholte Arm- und Hüftbewegungen ausführen, wären deutlich miteinander verbunden. Dadurch würden «die allgemein anerkannten Grenzen der öffentlichen Moral überschritten», zitiert DHA die Staatsanwaltschaft. 

Musikvideo wurde millionenfach angeschaut

Mabel Matiz heißt mit bürgerlichem Namen Fatih Karaca und hat seit dem Beginn seiner Musikkarriere 2011 fünf Studioalben veröffentlicht. Für seine Musik, die anatolische Melodien, Pop und Elektronik kombiniert, hat er zahlreiche Preise gewonnen. Das im August veröffentlichte Video wurde bisher auf YouTube 14 Millionen Mal angeschaut. 

In den vergangenen Wochen gingen türkische Behörden unter dem Motto «Meine Familie ist sicher» verstärkt gegen Vereine, Aktivisten und Nachtclubs vor, die sich für die Rechte der LGBTQ-Community in der Türkei einsetzen. Homosexualität ist in der Türkei nicht verboten. Die Ermittlungen richten sich laut Behörden gegen vermeintliche Obszönität und Prostitution.

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