Rechter Anwalt steht vor Sieg bei Kolumbien-Wahl
Veröffentlicht: Montag, 22.06.2026 05:21

Nachfolger von Präsident Petro
Bogotá (dpa) - Der von US-Präsident Donald Trump unterstützte Rechtspolitiker Abelardo de la Espriella steht bei der Präsidentschaftswahl in Kolumbien vor einem denkbar knappen Sieg. Nach Auszählung von 99,9 Prozent der Stimmen kam der Anwalt in der Stichwahl laut vorläufigen Angaben der Wahlbehörde auf rund 49,6 Prozent der Stimmen, sein linker Rivale Iván Cepeda auf 48,7 Prozent. Damit könnten rund 250.000 Stimmen über das künftige Staatsoberhaupt des mit 53 Millionen Einwohnern zweitgrößten Landes in Südamerika entscheiden.
Während de la Espriella schon von seiner «großen Verantwortung» in der kommenden Amtszeit sprach, verwies Cepeda wegen des engen Rennens auf die noch ausstehende amtliche Überprüfung aller Wahlprotokolle und erklärte, das endgültige Ergebnis erst nach Abschluss dieses Verfahrens anzuerkennen. Nach Angaben seines Wahlkampfteams werden Ergebnisse aus rund 33.000 Wahlurnen angefochten.
Auch der scheidende Präsident Gustavo Petro, der demselben Linksbündnis wie Cepeda angehört und wegen der gesetzlichen Begrenzung der Amtszeiten nicht nochmal antreten durfte, warnte angesichts des knappen Ergebnisses davor, bereits einen Sieger auszurufen. Die vorläufigen Ergebnisse gelten in Kolumbien allerdings als sehr verlässlich und weichen meist nur geringfügig vom amtlichen Endergebnis ab. De la Espriella dürfte Petro damit wohl am 7. August ablösen.
Trump unterstützt den «Tiger»
Im Wahlkampf erhielt «El Tigre» (Der Tiger) - wie de la Espriella sich öffentlichkeitswirksam nennt - Unterstützung von US-Präsident Trump. Dieser bezeichnete seinen Wunschkandidaten nach Veröffentlichung der vorläufigen Ergebnisse auf seiner Plattform Truth Social schon als großen Gewinner der Wahl. Auch US-Außenminister Marco Rubio gratulierte de la Espriella.
Der rechte Politiker hatte angekündigt, die zuletzt abgekühlten Beziehungen zu Washington auszubauen und im Kampf gegen den Drogenhandel enger zusammenzuarbeiten. Kolumbien war lange Zeit der wichtigste Partner der USA in Südamerika gewesen, wurde im vergangenen Jahr aber von der Trump-Regierung als Land eingestuft, das seine internationalen Verpflichtungen im Kampf gegen illegale Drogen nicht erfülle. Gegen Petro verhängten die USA Sanktionen - mit der Begründung, dass er nicht entschlossen genug gegen den Drogenhandel vorgehe. Kolumbien gilt als weltweit größter Produzent von Kokain.
Sicherheitslage prägt die Wahl
Die Sicherheitslage entwickelte sich zu einem der bestimmenden Themen der Wahl in dem Land, das jahrzehntelang unter einem Bürgerkrieg zwischen linken Rebellen, rechten Paramilitärs und dem Militär litt. Kritiker warfen Petro - dem ersten linken Präsidenten Kolumbiens - vor, trotz Verhandlungen mit bewaffneten Gruppen wie der Guerillaorganisation ELN keine entscheidende Verbesserung erreicht zu haben. Der Wahlkampf wurde von einer Welle der Gewalt überschattet. In mehreren Regionen des Landes kam es zu Anschlägen und Gefechten zwischen Sicherheitskräften und bewaffneten Gruppen.
De la Espriella stellte die Sicherheitsfrage ins Zentrum seiner Kampagne. Er kandidierte für die konservative Bewegung Movimiento Defensores de la Patria (Verteidiger des Vaterlandes) und versprach ein härteres Vorgehen gegen Guerillas, Drogenbanden und andere Kriminelle.
Zu seinen Vorschlägen gehörten unter anderem der Einsatz von Sprühmitteln gegen illegale Koka-Anbauflächen sowie Luftangriffe auf Lager bewaffneter Drogenbanden. Zudem sprach er sich für riesige Gefängniskomplexe nach dem Vorbild El Salvadors aus.
Bei seinem ersten Auftritt nach der Wahl trat de la Espriella mit einem Trikot der kolumbianischen Fußball-Nationalmannschaft vor seine Anhänger - aus Sicherheitsgründen hinter einer Panzerglasscheibe. «Für diejenigen, die Gewalt gesät haben: Ihre Zeit ist vorbei», verkündete er.
Cepeda vom linken Bündnis Pacto Histórico stand dagegen für eine Fortsetzung des Kurses von Petro. Anhänger des Regierungslagers verwiesen auf Fortschritte wie mehr finanzielle Unterstützung für sozial Schwächere und eine gesunkene Armut während Petros Amtszeit.
Die Wahl verlief nach Angaben der Behörden weitgehend geordnet. Das Verteidigungsministerium setzte landesweit mehr als 408.000 Soldaten und Polizisten ein. Rund 41 Millionen Bürgerinnen und Bürger waren zur Stimmabgabe aufgerufen worden.





