Nach dem WM-Schock – Tipps gegen das Stimmungstief
Veröffentlicht: Dienstag, 30.06.2026 10:07

Deutschland ist raus
Berlin (dpa/tmn) - Für deutsche Fußballfans ist es eine riesige Enttäuschung: Raus im Sechzehntelfinale gegen den Außenseiter Paraguay, keine weiteren Wochen des Mitfieberns, vorbei der Traum vom fünften Weltmeistertitel.
Während die einen kurz die Schultern zucken und schnell zur Tagesordnung übergehen, begleitet andere dieses dumpfe Gefühl noch weiter: Gedanken, die um Spielszenen kreisen, vielleicht sogar hin und wieder ein Druck auf der Brust. «Das sind Anzeichen von Traurigkeit und Enttäuschung», sagt die Berliner Psychologin Ilka Hoffmann-Bisinger der Deutschen Presse-Agentur.
Diese Enttäuschung abzuschütteln, das ist gar nicht so einfach. Am Anfang sollten Fans laut der Expertin Gefühle wie Schmerz und Traurigkeit zulassen. Doch dann geht es auch darum, den Blick nach vorn zu richten. «Das Beste, was man machen kann, ist zu akzeptieren: Es ist ein Spiel, es wird immer jemand gewinnen und immer jemand verlieren.»
Spiel lässt einen nicht los - Frustgefühl wie im Stau
Will sich dieses Gefühl der Enttäuschung einfach nicht legen? «Dann hat es damit zu tun, dass man an einer Idee festhält, wie die Dinge sein müssten», sagt Hoffmann-Bisinger. Deutschland hätte gewinnen müssen! Der Schiri hätte das deutsche Tor zum 2:1 in der Verlängerung nicht aberkennen dürfen! «Wenn ich nicht bereit bin, diese Idee loszulassen, dann hänge ich da länger drin.»
Sie vergleicht das mit einer Alltagssituation: Man steht im Stau und muss dringend zu einem Termin. Dann hat man die Wahl: Man kann akzeptieren, dass man in dieser Situation nichts machen kann und sich gute Musik im Autoradio aufdrehen. «Oder Sie können innerlich dagegen ankämpfen, wütend sein auf diesen Stau, sich anspannen und total gestresst zum Termin kommen.»
Diese Wahl hat man immer, sagt Hoffmann-Bisinger. Es sei schwierig, wenn man Dinge, die einen aufregen, nicht nach einer Weile akzeptieren könne. Dass man sich eine Zeit lang dagegen auflehnt, sei normal. Doch irgendwann müsse man einen Weg finden, damit klarzukommen.
Wie Fans aus der Anspannung herausfinden
Diese Tipps der Psychologin können helfen, aus dieser innerlichen Anspannung herauszufinden:
- Körperliche Entspannung, etwa in dem man sich bewusst sagt: «Ich atme jetzt mal in den Bauch hinein und lasse los.»
- Ablenken und auf etwas Anderes fokussieren: Für welche Dinge, die einem Freude machen, ist nun wieder mehr Zeit?
- Wissen um den Abstand: Mit der Zeit wird sich dieses Gefühl verändern.
Wer generell fußballinteressiert ist und die Weltmeisterschaft weiterverfolgt, kann sich natürlich auch an den weiteren Spielen erfreuen und sich vielleicht ein neues Team suchen, mit dem man mehr mitfiebert und dem man den Sieg wünscht. Das funktioniert aber längst nicht für jeden.
«Die meisten, die jetzt enttäuscht und frustriert sind, haben sich nach 20 Jahren einfach auf ein neues Sommermärchen gefreut und gehofft, dass es weitergeht. Und natürlich, dass es am Schluss eine große Party gibt», sagt Hoffmann-Bisinger. «Diese Enttäuschung wird wahrscheinlich nicht kompensiert, indem ich mich auf ein anderes Team konzentriere.»
Beim Sommermärchen 2006 wurde Deutschland bei der WM im eigenen Land ziemlich unerwartet Dritter.


