Messerangriff in London – Polizei geht von Terror aus
Veröffentlicht: Mittwoch, 29.04.2026 19:14

Großbritannien
London (dpa) - Bei einem als Terrorattacke eingestuften Messerangriff in London sind zwei Menschen verletzt worden. Die beiden Opfer seien Männer jüdischen Glaubens im Alter von 76 und 34 Jahren, sagte der Leiter der Anti-Terror-Einheit, Laurence Taylor. Der mutmaßliche Angreifer wurde festgenommen, es handelt sich um einen 45-jährigen Mann. Wenige Stunden später reklamierte die neue islamistische Gruppierung Harakat Ashab al-Jamin al-Islamia den Angriff für sich.
Premierminister Keir Starmer schrieb auf der Plattform X von einem «zutiefst entsetzlichen», antisemitischen Angriff. Der Vorfall spielte sich im stark jüdisch geprägten Stadtviertel Golders Green ab. König Charles III. sei «zutiefst besorgt», teilte ein Sprecher des Monarchen mit. Der König befindet sich derzeit auf einem Staatsbesuch in den USA.
Die Staatsbürgerschaft des mutmaßlichen Angreifers und sein Hintergrund seien Inhalt von Ermittlungen, teilte die Polizei mit. Der Londoner Polizeichef Mark Rowley sagte, der Festgenommen habe eine Vorgeschichte schwerer Gewalt und psychischer Probleme. Die beiden Opfer befinden sich im Krankenhaus und in einem stabilen Zustand.
Die islamistische Gruppierung, die bereits vorherige Anschläge in Großbritannien für sich reklamiert hatte, schrieb in einer Stellungnahme auf pro-iranischen Kanälen im Internet, Einzelkämpfer der Gruppe hätten zwei «Zionisten» im Stadtviertel Golders Green angegriffen und verletzt. In einem kurzen Clip zeigte die Gruppe auch Szenen des Angriffs, die Überwachungskameras und Augenzeugen gefilmt hatten.
«Angriffe auf Großbritannien»
Die beiden britisch-jüdischen Männer seien in ihrem Alltagsleben niedergestochen worden, sagte Polizeichef Rowley. Starmer schrieb: «Angriffe auf unsere jüdische Gemeinschaft sind Angriffe auf Großbritannien». Die Verantwortlichen würden zur Rechenschaft gezogen, kündigte der Labour-Politiker an.
Londons Bürgermeister Sadiq Khan schrieb, die jüdische Gemeinschaft in der britischen Hauptstadt sei zum Ziel einer Reihe von schockierenden antisemitischen Angriffen geworden. «Es darf absolut keinen Platz für Antisemitismus in der Gesellschaft geben.» Die Londoner Polizei habe ihre Präsenz in dem betroffenen Gebiet erhöht. Khan dankte den Rettungskräften und einer Nachbarschaftsinitiative «für ihre rasche Reaktion auf diesen fürchterlichen Vorfall».
Video soll Festnahme zeigen
Britische Medien berichteten über noch unbestätigte Videos zu dem Vorfall, die in sozialen Medien kursieren. Dabei ist etwa zu sehen, wie ein auf dem Bauch liegender Mann von mehreren Personen fixiert wird. Auf anderen Aufnahmen, die den mutmaßlichen Tatort zeigen sollen, sind wiederum zahlreiche Krankenwagen und auch Polizeibeamte zu sehen.
Die Abgeordnete Sarah Sackman, in deren Wahlkreis Golders Green liegt, verurteilte den Vorfall in einer Mitteilung auf der Plattform X ebenfalls als antisemitisch: «Die Angriffe auf britische Juden sind ein Angriff auf Großbritannien selbst. Es ist unerhört, dass Juden auf diese Weise angegriffen werden», so die Labour-Abgeordnete.
Erst zuletzt Brandanschlag in Golders Green
Zuletzt kam es in London zu mehreren Angriffen auf jüdische Einrichtungen, oft handelte es sich dabei um Brandanschläge. Erst vor wenigen Wochen waren etwa vier Krankenwagen des jüdischen Rettungsdienstes Hatzola in Golders Green bei einem antisemitisch motivierten Brandanschlag zerstört worden. Mehrere Verdächtige wurden angeklagt.
Auch hier bekannte sich die Gruppierung Harakat Ashab al-Jamin al-Islamia zu dem Angriff. Sie tauchte erstmals während des Kriegs der USA und Israels gegen den Iran auf. Sie soll für mehrere Angriffe auf jüdische und westliche Einrichtungen verantwortlich sein. Es ist aber unklar, ob die Gruppe tatsächlich existiert oder ob es sich um eine Inszenierung handelt. Zugleich gibt es Anzeichen auf mögliche Verbindungen zum iranischen Staat.
Die beiden bei dem Messerangriff verletzten Männer werden laut BBC von Hatzola behandelt. Die Organisation wird von Freiwilligen betrieben und bietet kostenlose Krankentransporte und Notfallhilfe an. Auch eine jüdische Nachbarschaftsinitiative soll maßgeblich an der Festnahme beteiligt gewesen sein.






