Mädchen in Berlin vermisst - Nachbarn bangen um Lisa

Suche nach vermisstem 13-jährigen Mädchen
© Marco Porzig/dpa

Kriminalität

Berlin (dpa) - An einem grauen Sonntagnachmittag ist nur wenig los auf den Straßen im Norden von Berlin-Marzahn. Es ist ruhig, auch Fußgänger sieht man zwischen den hohen Häusern nur vereinzelt. Doch etwas ist anders. Überall an den Hauswänden und Haltestellen flattern Plakate der Polizei mit einem Zeugenaufruf: Wer hat Lisa T. gesehen? 

Die 13-Jährige wird seit Dienstag vermisst. «Wir gehen von einem Kapitalverbrechen aus», sagt Michael Petzold, Sprecher der Berliner Staatsanwaltschaft. Als Kapitalverbrechen werden besonders schwere Verbrechen wie Mord, Totschlag, Vergewaltigung oder schwere Sexualdelikte bezeichnet.

Seit Freitag suchen die Ermittler mit einem Großeinsatz nach der vermissten Schülerin. Nach derzeitigem Ermittlungsstand gehen die Behörden davon aus, dass Lisa nicht freiwillig ihr familiäres Umfeld verlassen hat. 

Viele in der Nachbarschaft machen sich Sorgen

«Die ganze Nachbarschaft redet seit Tagen über dieses arme Mädchen», sagt eine Mutter, die mit zwei Kindern in dem Wohnviertel der Vermissten unterwegs ist. Ihren Namen möchte sie nicht nennen. Sie spreche mit vielen Eltern über das Verschwinden der 13-Jährigen. «Man muss wirklich gut aufpassen auf die Kinder. Aber was soll man machen, wenn sie alleine zur Schule fahren?»

Lisa T. verließ ihr Zuhause am Dienstag, 3. November, etwa 7.15 Uhr, um gegen 7.30 Uhr vom Barnimplatz zu ihrer Schule in der Sella-Hasse-Straße zu fahren. Dort kam die 13-Jährige nie an. Noch am selben Tag veröffentlichte die Polizei eine Vermisstenmeldung mit Foto. 

«Ja, wir haben davon gehört», sagt Samuel, 15 Jahre alt. Mit seinen zwei kleinen Geschwistern steht er auf dem weitläufigen und von Hochhäusern eingerahmten Barnimplatz - dem Ort, von dem aus Lisa am Dienstag zur Schule fahren wollte. Hinter Samuel klebt einer der Suchzettel. «Es ist fürchterlich, wir hoffen alle, dass man sie noch finden kann.»

Grünflächen und kleinere Waldgebiete in der Umgebung

Das Wohnviertel liegt am nordöstlichen Stadtrand von Berlin, wo Plattenbauten zwischen großen Grünanlagen mit Rasenflächen und Bäumen und kleineren Waldgebieten stehen, die bis nach Brandenburg reichen. Die Grenze zu Brandenburg ist nur wenige Meter von der Wohnung des Mädchens entfernt. 

Kurz hinter der Grenze stehen dort am Sonntag ein Dutzend Mannschaftswagen vom Roten Kreuz und dem Arbeiter-Samariter-Bund vor dem Einkaufszentrum Kaufpark Eiche. In den Autos sind Schäferhunde. Zahlreiche ehrenamtliche Helfer in Uniformen erhalten Anweisungen. 

Überall im Viertel sind seit Freitag Polizistinnen und Polizisten unterwegs. Sie gehen von Tür zu Tür, sprechen mit Anwohnern, verteilen Zeugenaufrufe und suchen die Umgebung ab. Auch mit einer Unterwasserdrohne, Spürhunden und einem Hubschrauber. Sie suchen nach Lisa - und nach Zeugen. 

Polizei bittet um Hinweise

«Wir sind weiterhin auf Hinweise angewiesen», sagt Petzold. Es seien schon Hinweise im dreistelligen Bereich eingegangen. Die Polizei bittet Menschen, die etwas gesehen oder gehört haben, sich über das Hinweistelefon oder die Hinweis-Mailadresse des Landeskriminalamts zu melden. 

Am Sonntag sind laut Staatsanwaltschaft mehr als 100 Einsatzkräfte der Einsatzhundertschaften und der Mordkommissionen im Bezirk Marzahn-Hellersdorf unterwegs. An einer Tankstelle in der Nähe des Einkaufszentrums hat sich die Einsatzleitung postiert. Sie bitten um Verständnis, dass vor Ort nichts über konkrete Maßnahmen mitgeteilt werden kann.

Anwohner berichten, dass die Polizei große Bereiche an einigen Teichen und Seen im brandenburgischen Nachbarort Hönow absucht. In der Tankstelle werden Gerüchte diskutiert. Angeblich ist eine Sim-Karte in der Gegend gefunden worden. Draußen kommt das Rote Kreuz und schickt einen Hund zwischen Bäume und Büsche. Wenig später kommt er zurück. Etwas gefunden, hat er wohl nicht. Der Hundetrupp zieht weiter.

Das Verschwinden des Mädchens beschäftigt viele in der Nachbarschaft. Zwei Teenager im Alter von 16 und 17 Jahren, Marie und Antonia, berichten, dass auch in der Schule und im Unterricht über das Verschwinden gesprochen wurde. Die ganze Schule mache sich Sorgen. «Meine Mutter hat richtig Angst bekommen», sagt die eine. «Ich soll jetzt abends im Dunkeln möglichst nicht mehr so viel alleine herumlaufen.»

In der Vermisstenmeldung der Polizei wird Lisa T. als 1,60 bis 1,65 Meter groß und schlank beschrieben. Sie ist dem Foto zufolge asiatischstämmig und hat lange dunkle Haare. Bekleidet war sie demnach zuletzt mit einer schwarzen Winterjacke, einem grauen Oberteil, einer blauen Jeans, weißen Sneakern, und sie trug einen schwarzen Rucksack.

Der Fall erinnert an das Verschwinden der 15-jährigen Rebecca aus dem Stadtteil Britz im Berliner Bezirk Neukölln im Februar 2019. Bis heute wurden weder sie noch ihre Leiche gefunden. Die Polizei hatte in Brandenburg Suchtrupps mit Hunderten Beamten, Hunde, Hubschrauber, Drohnen, Bagger, Boote und Taucher eingesetzt. Handydaten sowie Hunderte von Hinweisen wurden von der Polizei ausgewertet, aber vergeblich.

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Suche nach vermisster Schülerin
In dem Wohngebiet stehen viele Hochhäuser, das erschwerte die Suche auch schon am Freitag. © Manuel Genolet/dpa
In dem Wohngebiet stehen viele Hochhäuser, das erschwerte die Suche auch schon am Freitag.
© Manuel Genolet/dpa
Suche nach vermisstem 13-jährigen Mädchen
Hunde sollen die 13-Jährige aufspüren.© Andreas Rabenstein/dpa
Hunde sollen die 13-Jährige aufspüren.
© Andreas Rabenstein/dpa
Suche nach vermisster Schülerin
Überall im Viertel sind Ermittler unterwegs. © Manuel Genolet/dpa
Überall im Viertel sind Ermittler unterwegs.
© Manuel Genolet/dpa
Suche nach vermisstem 13-jährigen Mädchen
Auch angrenzende Parks und Grünflächen werden abgesucht. © Fabian Sommer/dpa
Auch angrenzende Parks und Grünflächen werden abgesucht.
© Fabian Sommer/dpa
Suche nach vermisstem 13-jährigen Mädchen
Auch eine Unterwasserdrohne kam zum Einsatz.© Marco Porzig/dpa
Auch eine Unterwasserdrohne kam zum Einsatz.
© Marco Porzig/dpa
Suche nach vermisstem 13-jährigen Mädchen
Rettungskräfte versammeln sich vor einem Einkaufszentrum, das kurz hinter der Grenze in Brandenburg liegt.© Marco Porzig/dpa
Rettungskräfte versammeln sich vor einem Einkaufszentrum, das kurz hinter der Grenze in Brandenburg liegt.
© Marco Porzig/dpa

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