Hormone aus dem Takt: Das steckt hinter dem PCO-Syndrom
Veröffentlicht: Montag, 13.04.2026 00:05

Frauengesundheit
Köln/München (dpa/tmn) - Viele Frauen kennen das Gefühl, dass ihr Körper aus dem Takt geraten ist: Die Periode bleibt aus, die Haut spielt verrückt, trotz gesunder Ernährung legen sie an Gewicht zu.
Für all das kann das Polyzystische Ovarialsyndrom (PCOS) verantwortlich sein. Das ist eine häufige hormonelle Störung bei Frauen, die aber oft erst spät erkannt wird. Antworten auf die wichtigsten Fragen.
Was steckt hinter PCOS?
«PCOS betrifft etwa eine von acht Frauen», sagt Nicole Reisch, Leiterin des Bereichs Endokrinologie des LMU Klinikums in München. Damit ist es die häufigste hormonelle Störung bei Frauen im gebärfähigen Alter.
Der Name Polyzystisches Ovarialsyndrom legt nahe, dass die Erkrankung mit vielen Eierstockzysten einhergeht. «Das ist etwas irreführend, da nicht zwingend viele Zysten vorhanden sein müssen, um die Diagnose zu stellen», sagt Sita Arjune. Sie ist Ärztin in der Poliklinik für Endokrinologie, Diabetologie und Präventivmedizin des Universitätsklinikums Köln.
Entscheidend für die Diagnose PCOS ist vielmehr ein Ungleichgewicht von Sexualhormonen. Insbesondere ist eine Überproduktion von Androgenen, also männlichen Hormonen, das Problem.
Wie macht sich ein PCO-Syndrom bemerkbar?
Die Symptome von PCOS sind sehr vielfältig und nicht immer eindeutig. «Sie können von Frau zu Frau unterschiedlich stark ausgeprägt sein», sagt Sita Arjune. «Insbesondere leiden Frauen unter einer unregelmäßigen oder gar ausbleibenden Menstruation.»
Der Überschuss an Androgenen kann zu vermehrter Körperbehaarung führen, etwa im Gesicht, auf der Brust oder am Bauch. Zusätzlich kann es zu Akne oder Haarausfall kommen. Viele Betroffene nehmen auch ungewollt an Gewicht zu.
«Gleichzeitig bestehen Veränderungen im Stoffwechsel, so etwa oft eine begleitende Insulinresistenz und somit ein erhöhtes Risiko für die Entwicklung eines Diabetes mellitus Typ 2», sagt Sita Arjune.
Warum entsteht ein PCO-Syndrom?
PCOS kann durch verschiedene Einflüsse bedingt sein: Genetik, Umwelt, Lebensstil - all das spielt zusammen.
«Da die Erkrankung in Familien gehäuft auftritt, spricht vieles für eine genetische Veranlagung», sagt Nicole Reisch. Welche Gene aber genau beteiligt sind, wird noch erforscht.
«Dabei spielen vor allem Stoffwechselfaktoren wie Insulinresistenz und erhöhte Insulinspiegel eine wichtige Rolle.» Sie fördern nämlich die Produktion der Androgene und können so Zyklusstörungen verstärken.
«Auch Körpergewicht und insbesondere eine vermehrte Fettansammlung am Bauch können Symptome verschlimmern, wobei PCOS auch bei Normalgewicht vorkommt», sagt Reisch.
Zusätzlich werden Lebensstilfaktoren wie Bewegungsmangel, Ernährung, Schlaf und Stress als mögliche Auslöser diskutiert.
Wie wird PCOS diagnostiziert?
Die Diagnose erfolgt in der Regel in der Frauenarztpraxis anhand der sogenannten Rotterdam-Kriterien. «Um PCOS festzustellen, müssen mindestens zwei von drei Kriterien erfüllt sein, nachdem andere mögliche Ursachen ausgeschlossen wurden», sagt Sita Arjune.
Zu den Rotterdam-Kriterien gehören:
- seltene oder ausbleibende Eisprünge, erkennbar an unregelmäßigen oder ausbleibenden Monatsblutungen
- Anzeichen eines Überschusses an Androgenen
- der Nachweis von mindestens 12 Follikeln pro Eierstock. Dabei handelt es sich um bläschenartige Gebilde, in denen Eizellen heranreifen. Der Eierstock wird dafür per Ultraschall untersucht.
In den neuen Leitlinien wird die Bestimmung des sogenannten Anti-Müller-Hormons dem Ultraschall der Eierstöcke gleichgesetzt. «Das bedeutet für die Patientinnen, dass nicht unbedingt ein Ultraschall notwendig ist, sondern eine Blutabnahme ausreicht», erklärt Sita Arjune.
Wie lässt sich PCOS behandeln?
Bei der Behandlung von PCOS geht es vor allem darum, Symptome zu mindern und langfristige Risiken - wie die, Diabetes zu entwickeln - so gering wie möglich zu halten.
«Vielen Betroffenen hilft es, PCOS aktiv zu managen, indem sie sich gut informieren, realistische Ziele setzen und gemeinsam mit dem Behandlungsteam einen individuellen Plan erstellen», sagt Nicole Reisch.
Ziel der Therapie sei es, das Körpergewicht zu reduzieren, die Insulinresistenz zu verbessern und den Zyklus zu regulieren. «Dazu sollte einmal und zuallererst natürlich eine Lebensstiländerung erfolgen», sagt Nicole Reisch. «Dazu zählen eine kalorienreduzierte, ausgewogene Ernährung und regelmäßige körperliche Aktivität.» Um Lebensgewohnheiten umzustellen, kann auch psychologische Unterstützung hilfreich sein.
Auch verschiedene Medikamente kommen bei der Behandlung von PCOS zum Einsatz. Zur Zyklusregulation ist die Antibabypille erste Wahl, wie Nicole Reisch sagt. Gegen vermehrte Behaarung können etwa Cremes eingesetzt werden.
Ist es möglich, mit PCOS schwanger zu werden?
Betroffene müssen sich von ihrem Kinderwunsch nicht zwangsläufig verabschieden. «Bei Frauen mit PCOS kann häufig eine Schwangerschaft entweder auf natürlichem Weg oder mit Unterstützung erfolgreich erreicht werden», sagt Nicole Reisch.
Der erste Schritt sei immer die Reduktion des Körpergewichts. «Übergewicht hat negative Auswirkungen auf die Schwangerschaftschancen sowie auf Probleme, die während der Schwangerschaft auftreten.»
Zur Kinderwunschbehandlung können zudem spezielle Medikamente eingesetzt werden. «Das erfolgt in Absprache mit der behandelnden Gynäkologie und Reproduktionsmedizin», sagt Sita Arjune. Klappt es mit der Schwangerschaft auf natürlichem Wege nicht, sollten betroffene Frauen keine Scheu haben, eine Kinderwunschklinik aufzusuchen.






