Gedenken für NSU-Mordopfer in Zwickau
Veröffentlicht: Mittwoch, 04.11.2026 08:00

Rechtsextremer Terror
Zwickau (dpa) - 15 Jahre nach der Selbstenttarnung der Terrorzelle Nationalsozialistischer Untergrund (NSU) wird heute in Zwickau der Opfer der rechtsextremen Terrorzelle gedacht. Nach einer Veranstaltung zum Thema Nächstenliebe am späten Nachmittag im Dom St. Marien soll am Abend am städtischen Gedenkort mit Blumen, Kerzen und Kranichen aus Papier in aller Stille an die Opfer der Mordserie erinnert werden.
Im Schwanenteichpark der Stadt wächst für jedes der zehn Mordopfer ein Baum. Das waren acht türkischstämmige und ein griechischstämmiger Kleinunternehmer sowie eine Polizistin: Enver Şimşek, Abdurrahim Özüdoğru, Süleyman Taşköprü, Habil Kılıç, Mehmet Turgut, İsmail Yaşar, Theodoros Boulgarides, Mehmet Kubaşık, Halit Yozgat und Michèle Kiesewetter.
Das NSU-Kerntrio Uwe Böhnhardt, Uwe Mundlos und Beate Zschäpe hatte viele Jahre unbehelligt in Zwickau gelebt und dabei ein Netzwerk an Unterstützern. Neben den Morden sind die Rechtsterroristen auch für etliche Raubüberfälle und mehrere Bombenanschläge verantwortlich. Nach einem Banküberfall nahmen sich Böhnhardt und Mundlos am 4. November 2011 in Eisenach das Leben. Zschäpe setzte daraufhin die gemeinsame Wohnung in Zwickau in Brand. Sie wurde später zu lebenslanger Haft verurteilt und sitzt im Gefängnis.
Critical Walk in Zwickau
Zum Jahrestag der Selbstenttarnung wird in Zwickau auch ein Stadtrundgang zum NSU-Terror angeboten. Der sogenannte Critical Walk wird den Angaben zufolge zu ehemaligen Wohnorten des Kerntrios und Personen des Unterstützerkreises führen. Am Erinnerungsort solle es um Leben und Wünsche der Opfer gehen, heißt es.
Die Amadeu Antonio Stiftung drängt darauf, dass rechte Tötungsdelikte bundesweit überprüft werden. Man fordere insbesondere die Länder Baden-Württemberg, Bayern, Hamburg, Hessen, Mecklenburg-Vorpommern und Nordrhein-Westfalen auf, «sich einer unabhängigen Überprüfung von Todesfällen mit möglichen rechten Tatmotiven seit 1990 zu stellen», hieß es in einer Erklärung. «Gerade die Länder, in denen der NSU jahrelang unerkannt morden konnte, stehen in besonderer Verantwortung. Wer sich einer unabhängigen Überprüfung verweigert, verhindert notwendige Aufklärung», erklärte Vorstand Timo Reinfrank.

